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Warum bei der Kunsttherapie nicht das vollendete Werk, sondern der Prozess dahin und die Reflektion besonders wichtig sind

Das Kunsttherapieprojekt „LEBENS-SPUREN“ wird alle zwei Wochen für Sterntaler-Eltern und –Angehörige im stationären Kinderhospiz angeboten. Dabei können alle Kunstformen, wie Malerei, plastisches Gestalten, Fotografie, therapeutisches Schreiben und vieles mehr genutzt werden. Es stehen vor allem der Prozess des kreativen Gestaltens sowie das Erleben und Reflektieren von aufkommenden Gefühlen und Gedanken im Vordergrund. Warum das Gestalten daher wichtiger ist als das fertige Bild, wie genau ein Kunsttherapie-Nachmittag abläuft und welche positiven Einflüsse Kunsttherapie haben kann, erfahren Sie im nachfolgenden Interview mit unserer Sterntaler-Kollegin Mirjam Baumann.

Im Interview: Kinderkranken- schwester und Kunsttherapeutin Mirjam Baumann

Unsere Kollegin Mirjam Baumann ist 37 Jahre alt und seit 2009 examinierte Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin. 2017 hat sie den Bachelor of Arts an der Hochschule für Kunsttherapie in Nürtingen abgeschlossen.

Nach 8 Jahren Einsatz im ambulanten Bereich als Kinderkrankenschwester, hospitierte sie im stationären Kinderhospiz und blieb. Das ist nun schon 7 Jahre her, denn hier kann sie sich auch mit ihrer Liebe zur Kunsttherapie einbringen.

Frau Baumann, welche Funktionen haben Sie im Sterntaler-Team inne?

In meinen ersten Jahren arbeitete ich als Kinderkrankenschwester in der ambulanten Kinderkrankenpflege. Danach wechselte ich ins Pflegeteam des stationären Kinderhospizes in Dudenhofen, in welchem ich nun seit sieben Jahren tätig bin. Vermutlich wissen jedoch die Wenigsten von euch, dass ich auch studierte Kunsttherapeutin bin. In den letzten Jahren ist es mir zu einem großen Anliegen geworden, den Eltern und Angehörigen der lebensverkürzend erkrankten Kinder, eine nonverbale Ausdrucks- und Verarbeitungsmöglichkeit anzubieten, für das, was sie im Alltag erleben. Der künstlerische Ausdruck kann Entlastung bringen, Selbstheilungskräfte freisetzen und zur Resilienz beitragen indem Ressourcen aktiviert werden.

Wie sind Sie dazu gekommen, sich mit dem Thema Kunsttherapie zu beschäftigen?

Ich selbst habe bereits als Kind schon gerne gemalt und damit innere Themen verarbeitet. Während meiner Ausbildung zur Kinderkrankenschwester war mir immer wieder die Ganzheitlichkeit der Krankheitsbewältigung wichtig. Wir bestehen nun mal aus Körper, Seele und Geist und somit genügt es nicht, nur die körperlichen Symptome zu behandeln, sondern auch die Seele braucht ihren Ausdruck und ihre Aufmerksamkeit. Gerade in der Arbeit mit schwerstkranken Kindern, die zum Teil nicht in der Lage sind sich verbal zu verständigen, wollte ich noch ein weiteres Mittel der nonverbalen Kommunikation einsetzen. Natürlich ist es im Pflegealltag auch notwendig über Mimik, Gestik und Körpersprache die momentanen Bedürfnisse des Kindes zu erfahren.

Was versteht man unter Kunsttherapie?

Kunsttherapie stellt nur eine Form von diversen künstlerischen Therapien dar, wie zum Beispiel Musiktherapie, Tanztherapie, Dramatherapie und Poesietherapie.

Kunsttherapie setzt sich, wie der Name vermuten lässt, aus den Potentialen der Kunst – und der Psychotherapie zusammen. Somit fließen sowohl künstlerische als auch psychotherapeutische Kompetenzen in die Kunsttherapie mit ein. Durch das kreative Gestalten kommen, wie z.B. auch beim Träumen, unbewusste Wünsche, Gefühle sowie Gedanken ins Bewusstsein und können auf dem Bild sichtbar „bearbeitet“ werden. Dadurch besteht die Möglichkeit über den künstlerischen Ausdruck ins Gespräch zu kommen. Auf diese Weise können neue Erkenntnisse, Lösungen und Ressourcen entdeckt werden.

Durch das kreative Gestalten werden Selbstheilungskräfte aktiviert, die beim Bewältigen einer Krise hilfreich sind. Die Kunsttherapie nutzt die Möglichkeit aller Kunstformen, wie der Malerei, dem plastischen Gestalten, der Fotografie, dem therapeutischen Schreiben und vielem mehr.

Sie soll dem Klienten eine aktive und kreative Rolle in der Auseinandersetzung mit seiner aktuellen Situation und gegebenenfalls der Krankheitsbewältigung ermöglichen. Das Gestalten kann ein Weg sein, Gefühlen und Empfindungen Ausdruck zu verleihen und Dinge auszudrücken, die auf andere Art nicht oder nur schwer ausgedrückt werden können. Die anschließende Bildbetrachtung findet immer ohne Bewertung statt, es wird nichts interpretiert, sondern gemeinsam betrachtet und reflektiert, so kann sie sehr aufschlussreich über innere Themen sein.

Oft fehlen uns die Worte für das, was wir fühlen und erleben. Wir können es nicht in Worte fassen, aber „Wenn Worte fehlen, sprechen Bilder“ (G.Schottenloher).

Wer kann an den Kunsttherapieangeboten teilnehmen?

Momentan habe ich das Angebot ausschließlich für Sterntaler-Eltern und -Angehörige angeboten. Sie leisten im Alltag so viel und müssen meistens funktionieren – häufig ohne sich Zeit für ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu nehmen. Diese werden verdrängt oder hinten angestellt um den besonderen Anforderungen und Aufgaben ihrer Kinder und Familie gerecht zu werden. Durch das Kunstangebot können neue Ideen, Ressourcen, Entspannung und Kraft geschöpft werden. Bei besonderen Anfragen bin ich aber auch gerne bereit mit Geschwisterkindern oder erkrankten Kindern künstlerisch aktiv zu werden.

Wie genau kann man sich die Kunsttherapie-Nachmittage in unserem Kinderhospiz Sterntaler vorstellen?

Ab Januar 2023 habe ich das Projekt „LEBENS-SPUREN“ gestartet. Dieses findet alle zwei Wochen freitags von 14 bis 17 Uhr statt. Dazu sind keine kreativen und handwerklichen Fähigkeiten oder Vorkenntnisse erforderlich. Es werden verschiedene Übungen angeboten, die ich thematisch je nach Personengruppe variiere oder anpasse. Anschließend gibt es Zeit zum freien Gestalten, wofür verschiedene künstlerische Materialien, Farben und Anregungen angeboten werden. Eine genaue Einführung dazu gibt es natürlich auch. Es soll ein geschützter Raum sein, in dem man einfach SEIN-darf, sich spielerisch ausprobieren darf, von der Alltagsroutine und allem Stress zur Ruhe kommen kann und wo insbesondere nichts erwartet oder bewertet wird. Außerdem kann eine positive Gemeinschaft erlebt werden und es ist möglich im kreativen Schaffen neue Perspektiven zu bekommen und Ressourcen zu entdecken, um die gegebenen Lebenssituationen gut bewältigen zu können.

Warum haben Sie dem Kunsttherapie-Projekt den Namen „LEBENS-SPUREN“ gegeben?

Leben, weil ich finde, dass unser Kinderhospiz auch ein Ort des Lebens ist, wo man sich neu bewusstmacht, was das Leben ausmacht, wie wir dem Leben mehr Qualität geben können und wie wir es aktiv mitgestalten können.

Spuren, weil ich den Anspruch an die Gestaltung so gering wie möglich halten möchte. Es geht einfach darum, Spuren zu hinterlassen, das Innere zum Ausdruck zu bringen durch einfache Symbole oder ganz abstrakt mit Farbe.

Es geht nicht darum ein möglichst schönes Bild zu malen, sondern einfach darum im Hier und Jetzt zu SEIN und um die Freude am Gestalten.  

Welche positiven Effekte kann Kunsttherapie auf unsere Sterntaler-Familien haben?

Durch mein Kunstangebot möchte ich Eltern und Angehörigen einen kreativen Raum bieten, welcher ihnen hilft, sich mit den eigenen Gefühlen von Angst, Schmerz, Traurigkeit, Wut aber auch Hoffnung, Liebe und Freude auseinanderzusetzen. Auf visueller und verbaler Ebene findet so ein Dialog um die Themen Krankheit und Schmerz statt. Indem das Unsagbare durch die Kunst zum Ausdruck kommt, fällt es leichter mit belastenden Gedanken und Gefühlen umzugehen. Es kann eine Entlastung sein. Zudem werden Resilienz-Faktoren durch das aktive und kreative Gestalten gestärkt.

Welche Sinne werden bei der Kunsttherapie angesprochen?

Neben dem visuellen Sinn werden auch die olfaktorische Wahrnehmung und der haptische Sinn durch das Gestalten mit den Händen angesprochen. Meist geschehen durch das spontane, unkontrollierte, teilweise unbewusste Arbeiten überraschende, unerwartete Dinge in der Gestaltung, die dann bewusst wahrgenommen und verarbeitet werden können.

Was ist am Herausforderndsten an Ihrer Arbeit und was macht Ihnen bei der Kunsttherapie am meisten Spaß? 

Manchmal ist es herausfordernd, sensible Themen anzusprechen, die richtigen Fragen zu stellen oder aufkommende Gefühle gut aufzufangen. Aber ich mag es auch wenn plötzlich tiefe Gespräche durch das Gestalten entstehen, auch zwischen den Teilnehmern. Oder auch wenn jemand plötzlich bemerkt wie viel Freude er beim Malen hat oder sogar versteckte Talente geweckt werden.

Fällt Ihnen ein bestimmtes Erlebnis bei der Kunsttherapie ein, welches Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? 

Es gibt tatsächlich viele besondere Momente, die mir in Erinnerung geblieben sind. Einmal hat sich eine Mutter, die sonst eher verschlossen und distanziert wirkte, sehr persönlich geöffnet und konnte sogar Tränen zulassen. Dadurch entsteht so viel Nähe, Vertrauen und Empathie und es kann wirklich heilsam wirken. 

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